Gründerin Çiğdem Gül im Interview – Teil 1


Veröffentlicht am 02.Mai 2018 vom politischen Feuilleton „KULTUR UND POLITIK“.

https://kultur-und-politik.de/zwei-hochbegabte-frauen-im-gespraech/

 
 

Franziska Dittrich, Inhaberin der Webseite und Blogs HIGHLY GIFTED – HOCHBEGABT & HOCHZUFRIEDEN 

https://highlygifted.de/2018/04/30/interkulturelles-netzwerk-fuer-hochbegabte-cigdem-guel-im-interview-teil-1/

interviewte mich, Çiğdem Gül, zu meiner Gründung, Aufbau und dreijährigen Arbeit beim Interkulturellen Netzwerk für Hochbegabte sowie zu den Besonderheiten von Hochbegabung im interkulturellen Kontext.

Mit freundlicher Genehmigung von Franziska Dittrich veröffentliche ich das Interview wie folgt auch in unserem Interkulturellen Netzwerk. für Hochbegabte.

 
 

DAS INTERVIEW

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„Ich komme aus einem anderen Land und aus einer anderen Kultur, die mir sehr gut getan haben.
Mit einem ruhigen Blick schaue ich als Erwachsene auf meine Kindheit und erste Sozialisation in einem kleinen Dorf in Anatolien zurück und fühle, dass ich dort das Glück hatte, trotz fehlender Infrastruktur, hoher Rate an Kindersterblichkeit, nicht erkannter Hochbegabung und kaum vorhandener Zivilisation auch bis heute unbeschadet und sehr zufrieden zu sein.“

 

Franziska Dittrich: Liebe Çiğdem, ich freue mich sehr, Dich heute für den HIGHLY GIFTED Blog interviewen zu dürfen. Vielleicht erzählst Du meinen Leserinnen und Lesern zu Beginn erst einmal etwas über Dich. Welchen Bezug hast Du zum Thema Hochbegabung?

Çiğdem Gül: Liebe Franziska, merci!
Ich bin ein Arbeiterkind. Ein Gastarbeiterkind. Und mittlerweile seit über 40 Jahren eine Migrantin in Deutschland. Ich habe mich seit einigen Jahren öffentlich als ein anatolisches Gesicht für Hochbegabung in Deutschland und im Ausland zu erkennen gegeben. Seitdem ist sowohl die deutsche Welt als auch die türkische Welt völlig irritiert und in Aufruhr. (lacht). So viel Action muss sein!…;-)

Scherz beiseite:

Es ist in Deutschland sicherlich sehr gewöhnungsbedürftig, dass unter den gerne defizitär betrachteten Migranten ausgerechnet eine türkischstämmige Frau wagt, zu den etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte wie z. B. Mensa International, Mensa in Deutschland e. V. (MinD), MinD- Hochschul-Netzwerk (MHN), Triple Nine Society (TNS) etc., ein eigenes mehrsprachiges  Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte zu gründen und dieses im Netz auch der Weltöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

 

Ich komme aus einem anderen Land und aus einer anderen Kultur, die mir sehr gut getan haben. Mit einem ruhigen Blick schaue ich als Erwachsene auf meine Kindheit und erste Sozialisation in einem kleinen Dorf in Anatolien zurück und fühle, dass ich dort das Glück hatte, trotz fehlender Infrastruktur, hoher Rate an Kindersterblichkeit, nicht erkannter Hochbegabung und kaum vorhandener Zivilisation sehr glücklich und auch bis heute unbeschadet zu sein. Ich habe persische Wurzeln. Meine Vorfahren stammen aus Chorasan. Das ist eine historische Region in Zentralasien zwischen Nordost-Iran und Nordwest-Afghanistan im Gebiet der heutigen Staaten Iran, Turkmenistan, Afghanistan, Usbekistan und Tadschkistan.

Mit den Begriffen von heute, möchte ich als Rückschau mein Leben von damals beschreiben:
Ich bin Jahrgang 1971, geboren in einem kleinen Dorf in Kelkit-Gümüşhane/Türkei und das dritte Kind von acht Kindern, darunter zwei als Säugling vorverstorbene Brüder. Mein richtiges Geburtsdatum weiß niemand, auch nicht meine Eltern. Mein Geburtsjahr soll analog zum offiziellen Geburtsjahr 1971 plus-minus um ein Jahr schwanken. Wenn ich in der Vergangenheit meine Mutter nach meinem wahren Geburtstag befragte, antwortete sie: „Es war ein sonniger Tag. Die Ernte war reif….“ Auf den Bergen Anatoliens und folglich in dem abgelegenen Dörfern herrschte ein anderes Zeitgefühl. Man orientierte sich nach der Sonne, Natur und nach Jahreszeiten In meinem Herkunftsort fehlte damals die Infrastruktur, daher wurden noch-nicht-Gezeugte, Ungeborene,  Neugeborene und/ oder ältere Kinder erst dann beim nächstgelegenen Standesamt registriert, wenn jemand die Möglichkeit hatte, endlich ein adäquates Fahrzeug zu finden, um in die Stadt zu fahren. Sicherlich hätten die Menschen in Anatolien und sonst wo auf der Welt damals und heute bei vergleichbarer Infrastruktur, Wohlstand, Wahlmöglichkeiten und Bildung wie in Deutschland ganz anders gehandelt als zuvor beschrieben. Da ich Kelkit-Gümüşhane nie gesehen habe, empfinde ich als meinen Geburtsort die Nachbarstadt „Erzincan“.

In meinem Herkunftsdorf auf den Bergen Anatoliens gab es damals keine Geschäfte, kein Strom, kein Telefon, kein Fernsehgerät, keine Bibliothek, kein Esstisch auf vier Beinen, keine Heizung, kein Waschbecken, kein Warmwasser, kaum Infrastruktur, kaum Zugang zur Außenwelt… Trotzdem fehlte mir an nichts… Ich bin stolz, sehr stolz, dass ich den unbezahlbaren Luxus hatte, auch ein Leben fernab von jeglicher Zivilisation erfahren zu haben.

Meine erste Sozialisation in Anatolien prägte mich dahingehend sehr positiv, dass ich als kleines Kind sehr im Einklang mit der Natur lebte. 

 

(Çiğdem Gül legt den folgenden Auszug vor, aus ihrem Fachartikel „Gedankenstil? – Normalbegabte, Hochbegabte, hochbegabte Migranten“, Teil 2.3: Wie denken hochbegabte Migranten? – Am Beispiel der eigenen Ausgangspunkte und Entwicklungslinien)

Siehe auch: 

http://www.interkulturellhochbegabte.de/2018/04/05/gedankenstil-normalbegabte-hochbegabte-hochbegabte-migranten/

„In der Fruchtblase meiner Mutter gab es keine Bibliothek, an dem ich mich als Ungeborene schon mal bedienen konnte. Auch hörte meine Mutter in Anatolien während der Schwangerschaft keine klassische Musik von Bach, Mozart und Tschaikowski, um meine Intelligenz zu fördern. Meine Eltern hatten uns Kindern keine Rechenaufgaben – sei es auch spielerisch – beigebracht. Unsere Puppen bastelten wir fünf Schwestern selbst aus kleinen Stöcken und Stoffmaterialien. Mit diesen und anderen Beispielen möchte ich nicht demonstrieren, dass hochbegabte Einheimische in Deutschland all´ dies gehabt hätten, sondern die Unterschiedlichkeiten und die unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten einer anderen Kultur und Welt aufzeigen. Als beliebtes und lebhaftes Kind im Dorf, spielte ich unbeschwert mit anderen Kindern, aß an Melonenschalen am Bach und pflückte fröhlich Çiğdem-Krokus-Blumen auf den Bergen. Mein Street Style – euh – Dorf- Fashion Look bestand überwiegend aus der Kombination von handgenähten Klamotten, die liniert, zugleich gepunktet, zugleich geblümt und zugleich kariert waren. In meinem Gesamtweltgefühl war ich in Anatolien stets in großer Begeisterung und voller Freude.“

Ich wuchs als Kind im Dorf so auf, wie ein Kind in seinem Umfeld „normal“ aufwuchs. Ich kann mich bis zu meinem dritten Lebensjahr zurückerinnern. Manchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich dort geblieben wäre.

Mein Vater arbeitete Anfang der 70er Jahre ein Jahr lang in Frankreich und immigrierte anschließend nach Deutschland. Um die gewünschte Augen-OP der jüngsten Tochter in Deutschland zu realisieren, wollte er sie nach Deutschland holen. Meine Mutter war damit nicht einverstanden und setzte die Familienzusammenführung samt den Kindern im Jahr 1975 durch. Ich war vier Jahre alt, als wir nach Deutschland kamen. Im Jahr 1976 kam unser Bruder in Duisburg auf die Welt.

In Deutschland angekommen, erlebte ich als Vierjährige einen Kulturschock, auch deswegen, weil unser „Türkisch“ weder von den Einheimischen noch von den Türkischstämmigen verstanden wurde. Bis ich als Kind begriff, dass ich ein anatolisches Dorfdialekt sprach und noch kein „Hochtürkisch“ verstand. Es fiel mir nie leicht, eine fremde Sprache zu erlernen. Und Deutsch verstand ich auch nicht. Das erste Wort bzw. der erste Satz, den ich auf Deutsch lernte, war nicht „Eeeyyy, das ist voll krass…!“, sondern einfach nur „Elefant“. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind vor Freude die ganze Nacht nicht schlafen konnte. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich 20 Jahre später in einem thailändischen Dschungel auf einen Elefanten reiten würde, hätte ich als Kind noch alles andere über Elefanten recherchiert. Außerhalb meiner Schule hatte ich mitten in Deutschland jahrelang kaum ein deutsches Umfeld. Dafür war ich mit eigenen Familie, Verwandten, Landsleuten und mit italienischen Nachbarn meines Elternhauses intensiv im Kontakt.

Rückblickend betrachtet stelle ich bereits in meiner Kindheit viele Situationen fest, in denen mein Anderssein deutlich wird. Als  FÜNFJÄHRIGE – fast frisch aus dem anatolischen Dorf hierher geholt – stand ich vor meinem Vater mit eingehakten Händen an der Hüfte und wollte mit ihm sachlich diskutieren. Diskutieren?! Weder er noch ich wussten damals, was Diskutieren bedeutete… Wir beide kannten die Definition von Diskutieren gar nicht! Ich stellte non-stop Fragen und hinterfragte alles.

Im Alter von sechs Jahren begann ich Frauen in Abendkleidern zu zeichnen, obwohl ich niemals zuvor und währenddessen eine Frau im Abendkleid sah… Ich zeichnete also etwas, was ich real nie gesehen hatte… , was aber in der Welt existierte…

Ich stand ALS ca. SECHSJÄHRIGE  allein im Wohnzimmer meines Elternhauses und sagte zu mir: „Das hier ist NICHT MEINE Familie! Das hier ist NICHT MEINE Gesellschaft! Das hier ist NICHT MEIN Leben! Mein Leben ist draußen irgendwo, ich weiß aber noch nicht, wo.“ Mein Zuhause ist mittlerweile in mir selbst und kein geographischer oder familiärer Ort mehr.

Ich hatte schon immer große Träume gehabt. Als Kind stellte ich mir vor, dass, wenn ich irgendwann mal erwachsen werde, in der Welt Großes bewegen möchte. Doch davor musste ich mich als Außenseiterin jahrelang in einer langweiligen Hauptschule in Duisburg austoben und jahrelang mit meinem brüchigen Deutsch mit dem ausländische Schüler diskriminierenden Klassenlehrer knallharte Auseinandersetzungen durchstehen. Die Krönung war es, dass ich zu meinen Elternsprechtagen selbst und allein ging (meine Eltern verstanden kaum ein Wort Deutsch, und meine älteren Schwestern genauso wenig), um mich bei diesem Lehrer für mich einzusetzen und durchzusetzen. So sehr, dass er auch nach über 30 Jahren (!) mich und meinen Namen nicht vergessen hat. Bis vor wenigen Jahren bestellte mein ehemaliger Klassenlehrer über meine in Duisburg ansässigen Geschwister und Neffen liebe Grüße an mich. In der Hauptschulzeit gehörten zu meinen Mentoren der bekannte türkische Schriftsteller und zugleich mein Türkischlehrer Herr Fakir Baykurt sowie die großartige Schulleiterin (ihr Name ist mir leider entfallen). Ihnen verdanke ich, dass ich heute schreibe. Ihnen verdanke ich, dass ich nie aufgegeben habe, an das Gute und Gerechte im Leben zu glauben.

Meine Mutter ist Analphabetin ohne Deutschkenntnisse, mein Vater war ein Arbeiter mit Grundschulabschluss und wenig Deutschkenntnissen. Das hinderte mich nicht, ein Leben lang in Humankapital und in persönliche Entwicklung zu investieren. 

 

Da mein Anderssein, Freigeist, selbständiges Denken, Fragen, Hinterfragen, unbeschwerte und westliche Haltung nicht nur mein nicht-streng-religiöses Elternhaus, interkulturelles Umfeld und deutsche Schul- und Hochschulwelt überforderte, sondern auch meine damalige traditionell orientierte Ehefamilie, und sie damit keinen adäquaten Umgang finden konnten und wollten, verließ ich die Ehe, ließ mich scheiden, und usopiere und gehe seitdem meinen eigenen Weg weiter.

 

Mein Wissensdurst, hohe Kreativität (auch in der Lösungsfindung), eiserner Willen und Durchhaltevermögen ließen mir jahrelang alle Vorurteile, Hindernisse und Schwierigkeiten als Chance und Herausforderung begreifen. So war es mir deshalb möglich, sogar als ehemalige Hauptschülerin und alleinerziehende Türkin das universitäres Studium in Wirtschaftswissenschaften – zeitweise mit bis zu drei Jobs nebenbei (ohne Bafög, ohne staatliche Hilfe und weitgehend ohne familiäre Unterstützung) erfolgreich abzuschließen. Meine Seele hat mir im Bereich der realen Belastungsmöglichkeiten und Erfahrungen das Maximum an „Training“ gegeben, so dass ich Probleme, Schwierigkeiten, Hindernisse und meine Kraftnehmer von außen als Herausforderung und Chance begreife, an mir selbst weiterzuarbeiten und aus allen meinen Lebenskontexten, Situationen und Themen nur das Beste zu machen.

 
 
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„Die Idee zum Aufbau eines Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte entstand im Mai 2015 spontan und leise in einem Kurs für Webdesign. Seitdem baue ich dieses Netzwerk nicht hauptberuflich, nicht nebenberuflich, sondern in meiner freien Zeit auf.“

 

Mein verstorbener portugiesischer Lieblingsschriftsteller Fernando Pessoa hätte wie einst in seinem Buch „Die Rückkehr der Götter“ an dieser Stelle gesagt: „Ich fühle mich vielfältig. Ich bin wie ein Zimmer mit unzähligen wunderlichen Spiegeln…“ Ich bin Diplom-Ökonomin. Die Bandbreite meiner bisherigen Berufe in den unterschiedlichsten Branchen, Positionen, Tätigkeiten, Erfahrungen spiegelt meine Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit wider. Sie erstreckt sich unter anderem über die Berufe als Change Management Consultant, Business Coach, Interkultureller Coach für Hochbegabte und Hochsensible, freie Journalistin in deutscher und türkischer Sprache, selbständige und richterlich per Gerichtsbeschluss bestellte Rechtliche Berufsbetreuerin für drei Amtsgerichte, Verfahrenspflegerin beim Amtsgericht, Gerichtsdolmetscherin für die türkische Sprache, Online Marketing Managerin, Personal- und Organisationsleiterin, Arbeitsvermittlerin mit Beratungsaufgaben, Expertin für die Flüchtlingsthematiik bei einem berufsbezogenen Projekt, Dozentin in der Erwachsenenbildung, als damalige Studentin eigene empirische Erhebung beim Institut für Angewandte Handelsforschung über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen türkischen und deutschen Unternehmen im Klein- und Mittelstand, Bankangestellte, Hospitantin in der geschützten Station einer Psychiatrischen Klinik etc. Zudem nahm ich zwei Jahre Schauspielunterricht und wirkte ca. vier Jahre als Laiendarstellerin bei Theater- und Tanztheaterprojekten.

Meine Hochbegabung erkannte ich erst September 2013 Dank einer Höchstbegabten. Also fünf Jahre später, nachdem mich fünf Personen aus meinem hochbegabten Umfeld, darunter auch Mensa-Mitglieder, mich als solche erkannt hatten und mich darauf hinwiesen.

 

„Nicht die Eiche das Modell, sondern die Bambuswälder:
Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist eine Innovation und Erweiterung zu allen bisherigen etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte, weil es als Campus für Visionäre aus aller Welt mehrsprachig die kulturellen und interkulturellen Besonderheiten und Vielfalt der Hochbegabung in den Mittelpunkt stellt.“

 

Franziska Dittrich: Wie kam es dazu, dass Du Dich im Jahr 2015 dazu entschlossen hast, das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte zu gründen?

Çiğdem Gül: Als Migrantin betrachte ich Themen zusätzlich aus weiteren (auch konträren) kulturellen Definitionen, Deutungen, Perspektiven, je nach Wechsel der z. B. deutsch-türkischen Sprache und Kultur auf unterschiedlichen (auch konträren) Gedanken- und Gefühlsebenen. Mir fiel auf, dass die Bandbreite dieser Perspektiven in der Hochbegabtenlandschaft, in bisherigen Netzwerken für Hochbegabte, in der Wissenschaft, Gesellschaft, Schul- und Hochschulwelt und Arbeitswelt kaum Berücksichtigung finden. Zudem stellte ich fest, dass bisher sehr viele einheimische Hochbegabte nicht offen oder nicht offen genug für Gleichgesinnte aus anderen Kulturen sind. Des Weiteren gibt es aus meiner Sicht kaum Engagements und wenig Studien zu diesen Themen.

Die Idee zum Aufbau eines Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte entstand im Mai 2015 spontan und leise in einem Kurs für Webdesign in Wuppertal. Also gründete ich das eigene Netzwerk, das vor allem die kulturelle und interkulturelle Komponente des Themas sowohl für die Einheimischen als auch für Migranten, Flüchtlinge, geflüchteten Asylsuchenden und Asylanten in den Mittelpunkt stellt .Seitdem baue ich dieses Netzwerk nicht hauptberuflich, nicht nebenberuflich, sondern in meiner freien Zeit auf.“

Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist eine Innovation und Erweiterung zu allen bisherigen etablierten Netzwerken für Hochbegabte und Höchstbegabte wie z. B. Mensa International, Mensa in Deutschland e. V. (MinD), MinD- Hochschul-Netzwerk (MHN), Triple Nine Society (TNS) etc., weil es die kulturellen Besonderheiten und Vielfalt der Hochbegabung nicht nur berücksichtigt, sondern in den Mittelpunkt stellt. Nicht die Eiche das Modell, sondern die Bambuswälder.

Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte ist ein mehrsprachiges, länder- und kulturübergreifendes Netzwerk für erwachsene Begabte, Hochbegabte, Vielbegabte, Höchstbegabte, Hochsensible, Synästheten, ihren Familienangehörigen und für alle Interessierte.

 

Franziska Dittrich: Worin genau besteht die Arbeit deines Netzwerks und was ist Deine Vision, wo soll es hingehen?

Çiğdem Gül: So, wie im Südpazifik die besonderen tongaisches Malau-Hühnervögel ihre Verantwortung und `Dienstleistung´ sehr gut kennen und für sie charakteristisch das Brüten an warme Vulkanerde `delegieren´, damit zwar allein stehen, doch sogar Biologen in der Wissenschaft beschäftigen, so fühle ich mich in der breiten Öffentlichkeit als Mitglied einer Gruppe von Hochbegabten. Wir, die Mitglieder, (und ich fühle mich in dieser Position reichlich beschenkt) legen unsere Ziele und Visionen auf die Kulturen verbindenden und warmen Böden unseres Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte.

Unser Netzwerk möchte in der Hochbegabtenlandschaft unter allen bisherigen Netzwerken eine Symphonie, also eine interkulturell reiche Gesamtheit, schaffen. Und es möchte mit den verschiedenartigen Farben seiner Mitglieder, Experten und Unterstützer raum- und kulturübergreifend die durchschnittliche Außenwelt eindrucksvoll – informieren, aufklären, Gesicht zeigen, eigene Geschichten erzählen, zusammenwirken und die Welt bereichern. Das Interkulturelle Netzwerk für Hochbegabte möchte nicht nur von negativen, dramatischen Erfahrungen der Betroffenen berichten, sondern auch der positiven Aspekte der Hochbegabung Raum geben. Es möchte zwischen ähnlich empfindungsfähigen Menschen eine Verbindung und Verbundenheit herstellen und die Chance zur kulturellen und interkulturellen Begegnungen und Austausch von Andersmenschen ermöglichen. Für alle Seiten, also für Betroffene, wie auch für die durchschnittsbegabte Mehrheitsgesellschaft, Kulturen, Medien, Politik, Arbeitswelt etc. soll eine win-win-Situation resultieren.

 

„So, wie im Südpazifik die besonderen tongaisches Malau-Hühnervögel ihre Verantwortung und `Dienstleistung´ sehr gut kennen und für sie charakteristisch das Brüten an warme Vulkanerde `delegieren´, damit zwar allein stehen, doch sogar Biologen in der Wissenschaft beschäftigen, so fühle ich mich in der breiten Öffentlichkeit als Mitglied einer Gruppe von Hochbegabten. Wir, die Mitglieder, (und ich fühle mich in dieser Position reichlich beschenkt) legen unsere Ziele und Visionen auf die Kulturen verbindenden und warmen Böden unseres Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte…“

 

Meine Vision ist es, dass aus der Arbeit und Synthese des Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte weltweit in vielen Ländern und Kulturen in der Gesamtgesellschaft, Medien, Politik, Schul- und Hochschulwelt sowie in der Arbeitswelt ein positiver geistiger und emotionaler Klimawandel entsteht.

Meine Vision und Ziel für Deutschland ist es, zunächst die ethnische Diskriminierung – auch im Zusammenhang mit Hochbegabung – als Thema noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, damit eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas und der deutschen medialen Berichterstattung erzielt werden können. Des Weiteren gehört zu meinen Zielen, dass öffentlich vorherrschende und defizitär behaftete Bild über die Arbeits- und Fluchtmigranten zu korrigieren und dieses um ein wertschätzendes, reales und dreidimensionales Bild über begabte und hochbegabte Migranten zu erweitern.

Ich sehe, fühle und erlebe die durchschnittliche Mehrheitsgesellschaft auf der einen Seite, und die Hochbegabten auf der anderen Seite. Folglich beobachte ich die ständige Diskrepanz zwischen den beiden Seiten. Eines meiner Anliegen ist es, die Mehrheitsgesellschaft mit der Gruppe der Hochbegabten auf ein Konsens des Dialoges zu bringen, um evtl. vorhandene Ängste und Vorurteile zu minimieren und beidseitig mehr Toleranz sowie Akzeptanz zu fördern.

 
 
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“Ich sehe, fühle und erlebe die durchschnittliche Mehrheitsgesellschaft auf der einen Seite, und die Hochbegabten auf der anderen Seite. Folglich beobachte ich die ständige Diskrepanz zwischen den beiden Seiten. Eines meiner Anliegen ist es, die Mehrheitsgesellschaft mit der Gruppe der Hochbegabten auf ein Konsens des Dialoges zu bringen, um evtl. vorhandene Ängste und Vorurteile zu minimieren und beidseitig mehr Toleranz sowie Akzeptanz zu fördern.“

 

Meine Wahrnehmungs-Infrastruktur ist vor Freude völlig aus dem Häuschen über die bisherigen vielen öffentlichen und nicht-öffentlichen wertschätzenden, positiven Feedbacks und Resonanzen unserer Leser, Mitglieder, ehrenamtlichen Unterstützer, Künstlerfreunden weltweit und Experten. An dieser Stelle danke ich ihnen allen von Herzen. 

 

Interview Teil 2 folgt.

 

Picture 1 thanks to © Çiğdem Gül (Wuppertal/Germany)
Picture 2 und & picture 3 thanks to © Dmitry Spiros (Tashkent/Uzbekistan)