Peter H. Gogolin: Der Schriftsteller im Interview – 1


Im Auftrag des Interkulturellen Netzwerkes für Hochbegabte führte Cyrill Onken im März 2018 das  Interview
mit dem hochbegabten, hochsensiblen und synästhetischen  Schriftsteller Peter H. Gogolin .

Gogolin zählt zu den besonderen Schriftstellern unserer Zeit.
Seine Werke bestehen aus Romanen, Erzählungen, Essays, Gedichten, Theaterstücken und Drehbüchern.. 

Das Interview wird aufgrund seiner Länge in drei separaten Teilen veröffentlicht.

 

Çiğdem Gül

 
 
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Bücher lesen und Texte schreiben gehören zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Peter H. Gogolin lernte ich, Cyrill Onken, vor zehn Jahren auf der Business Plattform XING in einer Schreibgruppe kennen. Später las ich seine Bücher und besuchte einige Lesungen von ihm. Natürlich erzählte ich Çiğdem Gül von meinem Lieblingsautor und sie kam auf die Idee, ein Interview in ihrem Netzwerk zu veröffentlichen. Glücklicherweise stimmte er zu. Obwohl ich mit einigen Aspekten seines Lebens bereits vertraut war, erfuhr auch ich Neues aus seinem Leben und Denken.

 

Cyrill Onken

 

DAS INTERVIEW

 

Cyrill Onken: Du gehörst in den Kreis der Hochbegabten, Hochsensiblen und Synästheten.
Was hast du für Erfahrungen damit?

Peter H. Gogolin: Ach, eigentlich inzwischen gar keine mehr. Es war lange ein Problem, aber das hat sich gegeben. Als ich jung war, da habe ich davon ja gar nichts gewusst. Und jeder Mensch hält sich, so wie er ist, einfach für normal. Es ist auch nicht so gewesen, dass ich zwar Telefonbücher auswendig lernen aber mir nicht die Schuhe zubinden konnte. Ich bin weder ein Autist, noch Asperger oder Savant. Ich habe nur zufällig einen sehr hohen IQ und habe es lange nicht gewusst. Und niemand hat sich dafür interessiert. Schließlich bin ich wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg geboren und noch
in den Trümmern der zerstörten Städte aufgewachsen. Da hatte man andere Sorgen, zumal ich nur das erste von sieben Kindern in der Familie war. Ich musste schlicht funktionieren und mich um meine Geschwister kümmern, alles andere zählte nicht.
Klar, die Menschen meiner Umgebung kamen mir oft etwas langsam vor. Ich wusste meist vorher, was sie sagen wollten. Aber das fand ich normal, und es hatte ja auch nur Nachteile, weil die anderen mich für einen Scheißkerl hielten, da ich mitunter ungeduldig war und sie oft unterbrach. Eine Schwägerin hat einmal einen Tobsuchtsanfall bekommen, in dessen Verlauf sie mich verletzt hat, weil sie mir alles, was auf dem Esstisch stand, ins Gesicht geschleudert hat, brennende Kerzenleuchter inclusive. Dann flüchtete sie aus dem Haus. Als man sie eine Stunde später in der Nacht auf der Straße fand, da hat sie ihre Tat damit begründet, dass sie mich hasse, weil ich immer auf alles eine Antwort wisse. Tja, sowas passiert einem halt.

Meinen IQ hat man zum ersten Mal getestet, als ich Soldat wurde. Ich bin freiwillig zur Armee gegangen, um von meiner Familie zu entkommen. Allerdings hat man den Bewerbern nach diesen Tests die Ergebnisse nicht mitgeteilt. Zwei Jahre später war ich der Personalverantwortliche der Kompanie geworden und hatte die gesamten Personalakten unter mir. Da habe ich irgendwann meine eigene Akte eingesehen und erblickte erstmals die Gaußsche Glockenkurve der Normalverteilung der Intelligenz. Meinen eigenen Wert konnte ich auf der rechten Seite gar nicht mehr ablesen. Was ich aber ablesen konnte, das war der dort vermerkte Kommentar des Prüfers: ‚G. eignet sich gewiss als Vorgesetzter. Allerdings ist er auf Grund seiner hohen Intelligenz mit Vorsicht zu behandeln, da er zu Widerspruch und Ungehorsam neigen könnte.‘
Ja, das war gut gesehen. Zu Widerspruch und Ungehorsam neigte ich tatsächlich. Und so begriff ich auch, was mir in den vergangenen Jahren immer wieder passiert war. Die Vorgesetzten auf den Dienststellen waren vorgewarnt. Ich stand vom ersten Tag an unter Beobachtung. Der Oberleutnant, der am ersten Tag meiner Grundausbildung meinen Spind kontrollierte, die zwei, drei Bücher sah, die ich mir mitgebracht hatte, und sagte „Oh, der Mann ist gefährlich. Er liest.“, hatte keinen Witz gemacht, er fand mich tatsächlich gefährlich. Und immer so weiter.

Später ist mein IQ noch zweimal gemessen worden, das Ergebnis lag mit leichten Abweichungen nach oben über dem ersten Wert. Und bei der dritten Messung bin ich darüber sogar zehn Minuten lang stolz gewesen, weil man mir erzählte, dass mein Ergebnis besser sei als das des amtierenden Schachweltmeisters. Ich hatte nicht nur schneller als er geantwortet, auch meine Ergebnisse, die das räumliche Vorstellungsvermögen testen sollten, waren besser als seine. Heute gebe ich darauf gar nichts mehr. Damals glaubte man ja noch, dass gutes Schachspiel der Gipfel der menschlichen Intelligenzleistung sei. Man hat deshalb angenommen, dass eine KI, also ein schachspielender Computer, der den Weltmeister schlägt, das absolut Größte sei. Dabei ist so ein Mensch oder so ein Computer lediglich ein Expertensystem, das eine einzige Sache beherrscht, nämlich das Schachspiel. Auf allen anderen Gebieten ist diese Intelligenz ziemlich dumm. Es hat keinen Sinn, mit so etwas konkurrieren zu wollen.

Im Prinzip war mir meine Intelligenz also von Nachteil, und zwar immer dann, wenn meine Umgebung in irgendeiner Weise darauf aufmerksam wurde. Es hilft niemandem, wenn er schneller ist als seine Umgebung, Dinge beantwortet, die andere nur anstaunen oder ignorieren. Warum? Weil die Welt total durchschnittlich ist und Klugscheißer nicht gebrauchen kann, wie mir ein Psychologe einmal sagte. Man macht auch keine besondere Karriere dadurch. Karriere machen Sie nur, wenn Sie sich anpassen und schauen, wer Ihnen von Vorteil sein könnte. Die Welt ist ja kein Trainings-Camp für Hochbegabte.

Selbst als ich eine Zeit hindurch zwei Gruppen für Hochbegabte moderiert habe, eine davon eine interkulturelle für Deutsche und Türken, konnte ich leider keine sonderlich guten Erfahrungen machen. Man würde ja meinen, dass eine Gruppe, in der lauter Hochbegabte herumlaufen, besser miteinander umgehen und ihre Probleme intelligenter lösen könnte. Aber das war nicht der Fall. Die meisten haben noch mehr Stress gemacht als Durchschnittsmenschen. Die Konkurrenz in den Gruppen war enorm. Ich habe mein Amt als Moderator irgendwann niedergelegt. Seither sage ich normalerweise zum Thema Hochbegabung lieber gar nichts mehr.

 

Cyrill Onken: Wie wirkt sich die Hochbegabung auf deine Arbeit und auf deinen Alltag aus?

Peter H. Gogolin: Wie sich die Hochbegabung auf meine Arbeit auswirkt, das kann ich eigentlich gar nicht sagen. Gut, ich schreibe ja dicke Bücher, die auch einigermaßen komplex aufgebaut sind. Also wird es mir vermutlich irgendwie helfen. Und da die meisten Angehörigen mich für verrückt halten, so muss da wohl etwas sein. Ich weiß nicht, von innen merke ich das nicht.

Und im Alltag? Im Grunde noch weniger. Es wäre ja auch ätzend, wenn man jeden Morgen vor dem Badezimmerspiegel stehen würde, um sich zu fragen, ob man diesen Hochbegabten da rasieren soll. Für mich bin ich so wie ich bin ja stinknormal, und ich ärgere mich höchstens dann, wenn dumm programmierte Rechtschreibprogramme versuchen, meine Rechtschreibung zu korrigieren.
Wenn ich es selbstkritisch betrachte, dann könnte ich sagen, dass ich zu viel und zu schnell lese, vor allem auch zu viel gleichzeitig. Auch neige ich im Gespräch dazu, irgendwas anderes nebenher zusätzlich erledigen zu wollen. Für mich selbst ist das nicht verdammenswert. Während meiner Zeit in der Armee, da erwartete man in der Ausbildung sogar, dass man ein Talent für solches Multitasking hat. Ein Pilot musste viele unterschiedliche Aktionen gleichzeitig bewältigen können, mit Händen und Füßen sowieso, aber er muss auch den Funksprechverkehr führen, während er die Maschine steuert, muss eine Landkarte lesen, den Luftraum beobachten, dazu Dutzende von Instrumenten im Auge behalten und den ganzen Kram. Flugprüfer machten es dem Flugschüler gern zusätzlich schwer, indem sie ihm, während er flog, funkte usw. auch noch eine Tüte Kartoffelchips hinhielten, ihm eine Dose Cola über die Hose gossen und dann den Schlips abschnitten. Wer das nicht alles gleichzeitig durchstehen konnte, ohne Anzeichen von Stress zu zeigen, der war schnell durchgefallen. In einer normalen Beziehung hingegen ist der Partner schon dann beleidigt, wenn man nicht ausschließlich ihn anschaut, sobald er redet.
Die Anforderungen sind also unterschiedlich und hängen nicht von einer Begabung ab, sondern vom kommunikativen Umfeld. Der Rahmen macht das Bild.

 
Cyrill Onken: Bemerken deine Leser etwas davon und wie reagieren sie darauf?

Peter H. Gogolin: Keine Ahnung, und eigentlich hoffe ich, dass die Leser nichts davon merken. Ich meine, ich schreibe zwar nicht die üblichen Regionalkrimis, von denen die meisten Leute heute annehmen, dass daraus die Literatur besteht. Aber ich wünsche mir doch, dass meine Leser einfach Spaß haben, meine Geschichten gern lesen, sich dadurch angeregt und unterhalten fühlen. Die ganz einfachen Dinge also, die jeder Autor sich wünscht.

 
 
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Cyrill Onken: Wie empfindest du dein Leben?

Peter H. Gogolin: Als ziemlich gut. Steve Thompsen, ein Wildhüter im Yosemite Nationalpark, soll mal sein Leben mit dem Satz beschrieben haben: „Probleme bekomme ich nur, wenn die klügeren Bären und die dümmeren Besucher aufeinandertreffen.“  So geht’s mir eigentlich auch.

Aber Spaß beiseite, viel von dem, was ich heute sage, ist einfach dem Umstand geschuldet, dass ich es heute sage. Immerhin bin ich inzwischen 68 Jahre alt. Und wenn ich ehrlich bin, dann betrachte ich mich als Überlebenden, der nach dem Krieg des Lebens – und es war zu Zeiten wirklich ein Krieg – in einen ruhigen Hafen eingelaufen ist. Es gab lange Zeiten, in denen es mir fürchterlich ging und ich auf mein Leben, meine Arbeit, ach, auf gar nichts mehr einen Cent gegeben habe. Aber das kann ich Ihnen nicht erzählen, nicht, weil es mir unangenehm wäre, sondern weil ich dann einen Monat lang ununterbrochen reden müsste.

Heute würde ich sagen, es ist alles so, wie es ist, und es ist gut. Ich lebe seit demnächst fast 30 Jahren mit einer geliebten Frau zusammen, die mich versteht, soweit man einen anderen Menschen verstehen kann, die vor allem auch meine Arbeit, das Schreiben, versteht, weil sie es selbst betreibt. Ich kann frei tun, was ich will, muss mich nicht nach anderen richten, es sei denn aus Höflichkeit, naja, was will man mehr.

Ich war vier Jahre Soldat. Als ich das hinter mir hatte, da habe ich mir geschworen – ich stand damals in Bremen auf dem Marktplatz, neben dem Roland, sehe mich noch dort stehen, es muss 1974 gewesen sein -, dass ich niemals mehr eine Arbeit tun würde, bei der mir irgendjemand etwas befehlen kann, verlangen kann, wann ich aufstehe, wann mit der Arbeit beginnen usw. Keinerlei Fremdbestimmung mehr. Das schloss natürlich für die Zukunft so ziemlich jede normale Tätigkeit aus, die Menschen üblicherweise ausüben, denn irgendwelche Vorgesetzten gibt es überall. Bei mir nicht. Ich habe mich mit dieser Entscheidung für ein normales Arbeitsleben unbrauchbar gemacht. Und im Prinzip auch unbrauchbar für das Zusammenleben mit Menschen, die ein solches Arbeitsleben für sich akzeptieren, also im Grunde mit allen. Das habe ich aber erst etwas später begriffen, und es hat zur Katastrophe geführt. Trotzdem bin ich darauf stolz, dass ich diese Entscheidung gefällt und durchgehalten habe.
Ich kann also sagen, dass ich seit meinem 24. Jahr ein selbstbestimmtes Leben führe. Dafür habe ich zwar zu Zeiten unerhört kämpfen müssen, aber ich habe es geschafft. Ich glaube, das ist weit mehr, als man erwarten kann. Ich bin heute ein Glückskind.

 
Cyrill Onken: Wirkt sich Deine Herkunft aus einem anderen Land und aus einer anderen Religion bereichernd oder erschwerend auf Dein Leben aus?

Peter H. Gogolin: Die Frage ist nicht richtig, sie setzt etwas voraus, was so nicht zutrifft. Die Frage meiner Herkunft ist komplizierter und im Grunde nicht zu klären. Zum einen bin ich ganz einfach Deutscher, in Schleswig-Holstein als erstes Kind einer Mutter geboren, die einer seit Urzeiten in Holstein ansässigen Bauern- und Handwerkerfamilie angehörte. Mein Vater war ebenfalls Deutscher, er kam aber nach dem zweiten Weltkrieg aus Polen. In Polen, in Oberschlesien, gibt es heute noch eine Kleinstadt, die unseren Namen trägt oder sagen wir lieber, wir tragen den Namen dieser Stadt.
Das ist einfach ein durchschnittliches Flüchtlingsschicksal. Weil der Vater ein Flüchtling war, so hatte sogar ich als sein erstes Kind noch einen Flüchtlingsausweis.
Was die Religion betrifft, so bin ich evangelisch getauft. Also auch etwas ganz Normales, vor allem, wenn man in Norddeutschland geboren wird. Und die Tatsache, dass ich vor schon einem Vierteljahrhundert diese Kirche verlassen habe, ändert daran nichts.

Nun haben sich meine Herkunft und vor allem mein Name, von dem andere Menschen halt gern auf eine Herkunft schließen, aber durchaus auf mein Leben ausgewirkt. Ich hätte z. B. niemals angenommen, dass mich jemand wegen meines Namens nicht für Deutsch halten könne. Und ich weiß noch, dass ich äußerst verletzt war, als ich einer meiner Schülerinnen einen Text korrigierte und sie mich daraufhin massiv zu beschimpfen begann, sie lasse sich von einem Menschen wie mir, der ja noch nicht einmal ein Deutscher sei, nicht unterstellen, dass sie Fehler in der deutschen Rechtschreibung mache. Hatte sie aber. Und zwar massenhaft. Sie war schwach in der Rechtschreibung und stark in rassistischen Urteilen. Das kommt oft vor.
Gut, wenn ich davon ausgehe, dass dieses Ereignis vielleicht nur die Spitze des Eisberges war, dann muss ich wohl annehmen, dass mich viele infolge des Namens Gogolin nicht für einen Deutschen halten. Und es ist ja auch kein deutscher Name. Es gibt noch in Südfrankreich eine Stadt dieses Namens. Und als ich in Italien lebte, da hatte ich in Florenz einen Zahnarzt, der so hieß wie ich. Der Zusammenhang ist in etwa der, dass im siebzehnten Jahrhundert Kunsthandwerker aus Italien und Frankreich nach Polen ausgewandert sind, um an den Höfen polnischer Adeliger mit der Innenausstattung der Schlösser beschäftigt zu werden. Dort, wo es heute die polnische Kleinstadt Gogolin gibt, befanden sich damals Kalkgruben. Und die Bauhandwerker haben dort den Kalk abgebaut, um damit die Säle der Schlösser mit Stuck zu verzieren.
Ich stamme also väterlicherseits von französisch/italienisch/polnischen Kunsthandwerkern ab. Das ist mir aber nicht so wichtig. Weit wichtiger ist für mich, dass mein Vater wohl aus einer Familie konvertierter Juden stammte, die so die Shoah überlebt haben. In den Aufzeichnungen der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist die Liste der Gogolins, die im nahen Umkreis des ehemaligen Wohnorts meines Vaters gelebt haben und während der Shoah deportiert und ermordet wurden, lang. In den Mordregistern von Auschwitz kommt mein Vater sogar namentlich vor. Der 1941 in Auschwitz I – Block 11 ermordete Edmund Gogolin, der mein Vater glücklich nicht war, wurde in Rypalki geboren, das liegt im Kreis Rippin (Rypin). Alle meine Vorfahren, soweit sie nach dem Krieg auf ihrer Flucht den Westen erreichen konnten, geben Rippin als ihren Heimatkreis an. Von Rippin nach Rypalki sind es laut Google Earth gerade mal 5,4 Kilometer; der Weg führt heute über eine mit mageren Alleebäumen bestandene Straße, die schnurgerade zwischen Feldern verläuft, hin und wieder unterbrochen durch kleine Gehöfte und einzelnstehende Häuser. Rypalki scheint ein solches Gehöft zu sein. Ein kräftig ausschreitender Mensch kann die Strecke in einer guten Stunde bewältigen.
Die Geschichte meiner Herkunft ist etwas, in das die Schlachthäuser des Holocaust ein Schwarzes Loch gerissen haben. Viele Menschen sind darin verschwunden. Und die Gewissheiten über meine Herkunft auch. Aber man wird vielleicht verstehen, dass das nicht spurlos an mir vorübergeht. Ich habe mich in meiner Literatur von allem Anfang an mit dem Faschismus und dem zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt. Selbst der oberschlesische Ort Gogolin, dessen Namen ich trage, lässt mich da nicht aus, denn in Gogolin gab es gleich zwei Konzentrationslager, eines für Menschen, die von Westen nach Osten in die Lager deportiert wurden, eines für Menschen, die von Osten zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden.
Ich kann also meiner Herkunft nicht entkommen. Und mein Schreiben ist davon immer beeinflusst. Allerdings haben sich meine Eltern darüber stets hartnäckig ausgeschwiegen. Ich habe nur gestört, als ich sie spät in ihrem Leben danach zu fragen begann.

Und für alle, die sich möglicherweise auf ihr Deutschtum etwas einbilden, möchte ich anfügen: Am wohlsten fühle ich mich an Orten wie Manhattan, wo ich, wenn ich zehn Meter gehe, zwanzig verschiedene Sprachen hören und alle Hautfarben sehen kann, wo der Taxifahrer mir erzählt, dass er aus Afghanistan stammt und sein Sohn gerade seinen Doktor in Medizin gemacht hat. So sollte für mich die Welt sein.

 

Siehe Fortsetzung Interview Teil 2 und Teil 3


 
 
 

Bild 1 wurde mit freundlicher Genehmigung des Urhebers und Schriftstellers Herrn Peter H. Gogolin veröffentlicht.

http://www.peter-gogolin.de/

 

Bild 2 wurde mit ausdrücklicher und freundlicher Erlaubnis der Urheberin, Schriftstellerin und Theaterregisseurin
Frau Jutta Schubert veröffentlicht.

http://www.schubert-jutta.de/

 
 
 

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