Die hochsensible Carina Z. berichtet aus Kolumbien


22255107_10155183140574353_2876518780757225008_o
 

Hallo allerseits,

am 03. Dezember 2017 erreichte mich eine E-Mail von Carina Z. aus Südamerika, über die ich mich sehr gefreut habe.

Carina ist eine gebürtige Deutsche, Jahrgang 1986, die derzeit in Kolumbien lebt und arbeitet.
Die weltoffene hochsensible junge Frau wuchs in einer Kleinstadt nahe der holländischen Grenze auf.

Carina´s Auslandsaufenthalte und –einsätze z. B. für Volontariate, Praktika, Sprachkurse, Flüchtlingsbetreuung und Teilnahme am Erasmus-Programm in den folgenden Zielländern bereicherten auch ihre Sprachkenntnisse:

  • Medellín und Bogotá, Kolumbien
  • Rio de Janeiro und São Paulo, Brasilien
  • Porto, Portugal
  • Teneriffa, Spanien
  • Buenos Aires, Argentinien
  • Genua, Italien
  • Österreich
  • Schweiz
  • Frankreich

Carina´s Sprachkenntnisse erstrecken sich auf die Sprachen Deutsch (Muttersprache), Englisch, Spanisch und Portugiesisch (fließend, Level C1), Italienisch (gut, Level B2), Französisch und Arabisch (Grundkenntnisse, Level A2), Türkisch und Katalanisch (Grundkenntnisse, Level A1).

Sie hatte zunächst Spanische und Italienische Literatur in Bochum studiert und im Master “Intercultural Comunication and European Studies” an der Fachhochschule in Fulda studiert.

Carina erlebt ihre Hochsensibilität in den verschiedenen Kulturen und Ländern unterschiedlich. Ab jetzt wird sie für uns Anekdoten verfassen und von ihren Erfahrungen als Hochsensible in Südamerika erzählen

Auszüge aus ihrer E-Mail und die Fotos werden mit Carina´s ausdrücklicher und freundlicher Erlaubnis hier veröffentlicht.

Herzlichen Dank, liebe Carina!

Wie schön, dass wir dich kennenlernen dürfen.

Liebe Grüße, Çiğdem

 
Carina Zimmermann
 

Carina schrieb in ihrer ersten E-Mail an mich:

„[…] Vielen Dank für Ihr „Interkulturelles Netzwerk für Hochbegabte und Hochsensible“ und ihre Erfahrungen. Vor allem die interkulturellen Erfahrungen und Vergleiche zwischen der türkischen und deutschen Kultur fand ich sehr interessant. Übrigens: Ich habe auch Türkisch gelernt, einen Anfängerkurs. Türkisch ist eine sehr schöne Sprache. […]

Ich weiß seit ca. zwei Jahren, dass ich hochsensibel bin und kann noch immer nicht richtig damit umgehen. Zudem bin ich gleichzeitig extrovertiert, muss mich aber trotzdem zurückziehen, vor allem wenn ich mit einer Gruppe 24 Stunden am Tag zusammen bin, wie bei vielen Non-Governmental Organization (NGO) – Projekten, bei denen ich mitgemacht habe… ohje… ich hatte immer Migräne.

Mir ist aufgefallen, dass ich in Deutschland, bzw. Nordeuropa mit der Hochsensibilität am meisten Probleme habe. In Europa wird einem beigebracht, Gefühle nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Ich habe vom September 2016 bis Mai 2017 in Brasilien ein Praktikum und einen Sprachkurs absolviert. Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich so richtig normal gefühlt. Die Nachrichtensprecher haben im brasilianischen Fernsehen angefangen zu weinen. In meinen NGO- Workshops haben die Menschen manchmal Tränen zugelassen und ihre Gefühle über die Arbeit mit Armut und Gewalt usw. berichtet. Das war bei dem Deutschen Caritasverband in Deutschland nicht möglich. Ich hatte mit Flüchtlingen gearbeitet. Und die Kinder haben mir ihr ganzes Leid erzählt. An einem Tag saß ich im Büro und weinte deswegen. Ein ägyptischer Kollege konnte mich überhaupt nicht verstehen. Leider. Die deutschen Kollegen noch weniger.

Auch in Kolumbien habe ich schon so vielen Leuten erzählt, dass ich sensibel bin und alle haben ganz normal reagiert. In Deutschland in meinem Masterstudiengang (acht Deutsche, 15 weitere Europäer, 10 Asiaten+ und Afrikaner) wurde ich immer sehr kritisiert, wenn ich mich sensibel gezeigt habe und einige Mädels hatten sogar diesen Schwachpunkt genutzt ,um mich zu ärgern oder sich über mich lustig zu machen. Leider.

In Südamerika ist das Thema der Hochsensibilität in der Gesellschaft fast unbekannt. Soweit ich weiß, gibt es diesbezüglich die Bücher der bekannten Psychologin Eliane Aron nicht mal auf Spanisch. […]

Jedenfalls hatte ich in den vergangenen Jahren sechs Länderwechsel gehabt, wenn ich auch oftmals nur drei bis acht Monate in einem anderen Land gewohnt habe. Und ich passe mich sehr schnell an ein Land an. Mittlerweile musste ich mich so oft anpassen, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich hingehöre, wer ich bin usw..
Hatten Sie auch schon mal dieses Gefühl?

Jedenfalls finde ich es ganz toll, dass es ihre Interkulturelles Netzwerk gibt, vor allem dreisprachig, super!!!

Ganz liebe Grüße aus Kolumbien

Carina

 
 
 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>