Stefan Janetzky: Die Behinderung „DISKRIMINIERUNG“


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Wir alle brechen hin und wieder die Menschenrechte genau an der Stelle, an der wir alle sie nicht an uns selbst mit den Füßen getreten wissen wollen. Nun, sowohl in den Menschenrechten, als auch in den Verfassungen vieler Staaten dieser Welt, wie der der Bundesrepublik Deutschland, der Republik Frankreich, des Königreichs Schweden, oder der Vereinigten Staaten von Amerika, kann man Dinge lesen, wie, dass alle Menschen gleich seien, unabhängig von Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht, Rasse, etc. p. p., pi, pa, po.  Das wollen wir alle auch. Wir alle wollen gleichbehandelt werden. Seltsamerweise schreit kaum jemand von uns auf, wenn er, oder sie anderen vorgezogen wird. Und seltsamerweise setzen wir alle immer mal wieder andere zurück. Und seltsamerweise beschweren wir uns nur, wenn wir benachteiligt werden und das wiederum auch nur, wenn wir uns in einer Position befinden, in der diese Beschwerde überhaupt möglich ist.

Denn natürlich gibt es Unterschiede.
Dazu ein ganz einfaches Beispiel, an dem mir aufging, was wir alle da tun.

Nehmen wir ein Wohngebiet mit Einfamilienhäusern. Die Mittelschicht wohnt hier. Es ist ein Wohngebiet, wie wir es in Syrien fanden, bevor dort die Welt zusammenbrach, aber immer noch in jeder deutschen Stadt finden können, ebenso in jeder russischen, französischen, nordischen, in nahezu jeder asiatischen. Eine Mittelschicht existiert überall in der Welt, wo nicht gerade Krieg und/oder Bürgerkrieg alles blutig auf den Kopf stellen. Gut, mancherorts ist die Mittelschicht schmaler, andernorts breiter aufgestellt, aber überall außerhalb von Krieg und/oder Bürgerkrieg ist sie existent. Wir betrachten jetzt so ein Wohngebiet einer solchen Mittelschicht. Es ist mitten am Tag. Die Kinder sind in der Schule, die Eltern arbeiten. Es ist relativ leer im Viertel. Ein Lieferwagen fährt durch die Straßen. Und während Sie das sehen, schauen sie auf das Nummernschild. Und sofort ist es ein Unterschied, ob das Auto von hier ist, oder aus dem Nachbarstaat, oder aus Russland, oder aus Italien, oder aus dem Iran, oder aus Rumänien, oder aus Frankreich, oder aus Singapor, oder aus China, oder aus Japan, oder aus Israel, oder, oder.

Wir wissen nicht wer drin sitzt. Das Nummernschild alleine genügt uns, den Lieferwagen in diesem Wohngebiet in eine Schublade zu stecken. Es reicht der äußere Anschein, vorzusortieren nach „Freund“ oder „Feind“, nach „ehrlich“, oder „Verbrecher“. Nichts ist festgestellt, nichts ist verbürgt, aber sofort haben wir sortiert. Und keiner von uns ist frei davon. Das hatte durchaus über hunderte von tausenden von Jahren seinen Sinn, als es für uns Menschen um eine andere Variante von „Überleben“ ging, nämlich der des einzelnen Clans an der Mamutjagdfront in existentieller Nahrungsmittelbesorgungskonkurrenz zu Säbelzahntigern, Hyänen und anderen Clans. Jetzt aber sind wir nicht mehr hunderttausende, oder einige Millionen von Menschen, jetzt sind wir Milliarden. Wir können einander nicht mehr aus dem Weg gehen und Mamuts sind ausgestorben. Der Planet ist nicht gewachsen und die Konfliktlösung, einander entweder den Schädel einzuschlagen, oder voreinander wegzulaufen sind kontraproduktiv im Sinne des Überlebens der Menschheit.

Wir müssen einen anderen Umgang miteinander finden, als die Keulen zu schwingen.

Das sind keine neuen Überlegungen. In Mitteleuropa wurden diese Überlegungen über Jahrhunderte hinweg diskutiert in einer Epoche der Philosophie, die sich „die Aufklärung“ nennt. Wir haben uns auf Parameter geeinigt, wie die Unaufrechenbarkeit menschlichen Lebens und die Gleichheit aller Menschen. Und eine ähnliche Entwicklung hat im Kulturkreis aller drei großen monotheïstischen Religionen stattgefunden. Und obwohl dem so ist, sortieren wir das Automobil in jenem Wohngebiet über sein Kfz-Kennzeichen in unterschiedliche Schubladen ein. So verfahren wir auch mit Menschen. Und weil wir alle uns von diesem Schubladendenken nicht wirklich freimachen können, so sehr der einzelne auch will, verfahren wir alle weiterhin so und wird an uns so verfahren. Man kann sich die Mühe mache und jedes Mal innehalten und über die Schublade nachdenken und dann doch auf den Lieferwagen zugehen und fragen, ob man helfen kann, wohin er denn will. Denn ist er von weit weg, kann er sich ja nur verfahren haben und/oder auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Das wirklich dumme an diesem Schubladendenken ist jedoch, dass es in Abstufungen passiert, obwohl, was zum Beispiel den Bruch der Menschenrechte betrifft, keine Ungerechtigkeit in der Gerechtigkeit existieren kann und keine Gerechtigkeit in der Ungerechtigkeit existiert. Wer einmal beginnt, sich und/oder andere ins Unrecht zu setzen, hat die Gerechtigkeit perses verloren.

Das einfachste Beispiel ist die Ausländerfeindlichkeit. Ich habe sie am eigenen Leib erfahren, da ich ein europider Kosmopolit bin. Ich habe die Welt bereist und das Glück, oder Pech gehabt, dieses nicht als Tourist zu tun, sondern als jemand, der dafür bezahlt wurde und hin und wieder sogar in der Fremde lebte. Ich möchte diese Ausländerfeindlichkeit von leicht nach schwer schildern und wenn man die Pässe und Nationen tauscht, dann sind alles Beispiele, die sich auch in Deutschland finden.

Zuerst beginne ich mit „Alle Menschen sind Ausländer, — fast überall.“

Als ich Mitte der 1980er mein Abitur machte, tauchte dieser Satz plötzlich in der sogenannten „Sponti-Scene“ auf. Der zweite Satz, den ich anführen möchte, ist „Kein Mensch ist behindert, aber alle werden behindert und das immer nur von anderen Menschen.“ Ich las das um die letzte Jahrhundertwende auf einem Banner einer Gehörlosenveranstaltung. In diesem Sinne ist die Diskriminierung, also das herabsetzen einer Person ob seiner Herkunft, Religion, seines Alters, seines Geschlechts eine Behinderung und die Diskriminierung eines Ausländers dumm, weil wir ja alle (fast überall) Ausländer sind.
Und doch macht es einen Unterschied in der Ausländerdiskriminierung, ob man so aussieht, als wäre man von hier, oder ob man so aussieht, als wäre man von anderswo. Das Nummernschild am Lieferwagen macht den Unterschied darin, in welche Schublade wir ihn stopfen. Den Inhalt ignorieren wir dabei völlig.
Es ist ganz so, wie Methusalix im Asterix Band 1 über Caliguminilix sagt: „Ich habe nichts gegen Fremde, aber dieser Fremde ist nicht von hier.“

Von leicht nach schwer…

Ich bin über 2 Meter groß, schlank, dunkelblond und habe blaue Augen. In den USA, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Schweden und Norwegen wirkte ich nicht, als wäre ich ein Ausländer. Das ändert sich in dem Moment, in dem ich meinen Mund aufmache, oder aber etwas viel Schlimmeres tue, meine Identität zu verraten, wie in eine Polizeikontrolle zu geraten zum Beispiel, oder ein Bankkonto eröffnen, oder gar auf dem Immobilienmarkt nach einer Wohnung, oder einem Haus zu suchen.

 

In Frankreich geriet ich einmal mit einem Lkw mit dänischen Kennzeichen in eine Verkehrskontrolle. Wir, die wir da gestoppt wurden, hatte alle dasselbe „Verbrechen“ begangen. Wir waren am Sonntag unterwegs. Die Ausweitung des Sonntagsfahrverbot für Lkw auf Lkw ohne Ladung war damals nagelneu. Die Gendarmen kassierten nun ab. Und es wurde unterschiedlich kassiert, wie wir alle, die wir nicht nur zahlen mussten, sondern bis zum Ende des Fahrverbotstages auf dem gleichen Parkplatz festhingen, schnell im Gespräch miteinander feststellten. Und der Unterschied wurde einzig und alleine an der Nationalität des Lkws festgemacht. Die Preisstaffelung war diese.
Die Franzosen zahlten alle 250 Franc ≈ 38 Euro,
Alle „westlichen“ Ausländer zahlten 750 Franc ≈ 114 Euro,
Deutsche und Briten zahlten 1000 Franc ≈ 152 Euro,
Alle Osteuropäer 1.500 Franc ≈ 229 Euro,
und alles aus Afrika 3.000 Franc ≈ 457 Euro.
Die Bulgaren, Rumänen, Marokkaner hatten aber deutlich weniger Geld.
Für die Fahrt die Fahrt zu Ende mit Kralle an den Rädern und Tränen in den Augen. Die konnten das Geld damals nicht bezahlen. Es war einfach nicht möglich.
Wir aus dem Westen Europas hatten nur das Problem der Bereitstellung des Geldes. Damals konnte man noch nicht mit Plastikkarte am Streifenwagen zahlen. Man musste es bar auf den Tisch legen. Gruppenweise wurden Taxis bestellt, zum nächsten Geldautomaten und zurück zu kutschen. Dies Möglichkeit besaßen die Kollegen aus dem Osten und aus Afrika und aus dem Nahen Osten nicht. Die konnten sich nicht einmal das Taxi zum Geldautomaten leisten, geschweige denn, dass sie genug Geld bekommen hätten.
Das war ein sehr klarer Fall von graduierter Ausländerfeindlichkeit.

 

Die nächste Steigerung ereilte mich, als ich in Norwegen wohnte. Auch dort falle ich nicht als Ausländer auf. Aber ich wollte „wo“ wohnen. Der Immobilienmarkt im Großraum Oslo war nach oben explodiert, Mietwohnungen praktisch inexistent und Kaufimmobilien auf dem Niveau, das man aus Wiesbaden, München, oder Tokio kennt. Nun, wer hat das Geld schon rumliegen. Ich war umgeben von jungen Kollegen aus aller Herren Länder, auch aus Norwegen, die sich Häuser, oder Wohnungen kauften. Wenn man fest in Lohn und Brot und Schuldenfrei ist, dann ist es ja kein Problem, ein Anuitätendarlehen zu beantragen und ein Haus, oder ein Wohnungen zu kaufen.
Nun, die erste Hürde war das Bankkonto selbst. Deutschland hat im Zweiten Weltkrieg blutige Dinge in Norwegen angestellt. Ich bekam als deutscher nicht so einfach ein Bankkonto bei einer Bank. Ich musste suchen, bis ich eine fand, bei der ich ein Gehaltskonto eröffnen konnte. Und es war dieser Teufelskreis: ohne Gehaltskonto keine Bleibe und ohne Bleibe keine Wohnung. Ich war verdammt gut in meinem Job und mein Chef intervenierte bei seiner Bank und ich bekam dort ein Konto, aber dann die Zinsen ließen mich staunen.- Meine norwegischen Kollegen mussten damals etwa 8 % Zinsen auf einem Anuitätendarlehen berappen. Westliche Ausländer lagen bei 10 %, Schweden bei 12 %, Deutsche bei 15 % und alle anderen Ausländer, mit Ausnahme der Pakistanis bei 20 % und Pakistanis bei 25 %.
Da weiß man doch gleich, was die in Norwegen von einem halten, wenn man nicht als Tourist hinfährt, einfach nur Geld dazulassen. Seitdem frage ich mich auch, wie wir wohl in Deutschland mit welchen Ausländern in der Finanz- und Imobilienwirtschaft verfahren und bin mir sicher, dass wir als Gesellschaft das diskreminierende norwegische Model leben und akzeptieren.

Aber Norwegen lässt sich steigern. Am 17. Mai 1848 wurde es gegründet und der Nationalfeiertag, eben jener 17. Mai wird gefeiert auf eine Art und Weise, die den Charme des französischen mit der Partylaune des us-amerikanischen und der Eleganz einer fröhlichen Hochzeit verbinden. Es ist ein fantastischer Tag, an dem man auch als Ausländer, auch als einer, der als solcher zu erkennen ist, teilnehmen darf, wenn man denn in besten Ausgehklamotten unterwegs ist und diese eine „westliche“ Noto haben.
Aber es gibt in Norwegen auch eine sehr fanatische Neonazigruppierung.
Die wirft böse und menschenverachtende Hassbriefe immer am 17. Mai in die Briefkästen von Ausländern.
Nun mag man glauben, dass Deutschland die Nazis erfunden habe, und das man als Deutscher eben darum davor gefeit sei.
Falsch gedacht.
Ausländer raus ist eben Ausländer raus. Und alle Menschen sind Ausländer. Fast überall. Auch Deutsche in Norwegen.

Ich hatte an jedem 17. Mai immer den gleichen menschenverachtenden Hassbrief im Briefkasten, wie mein Nachbar aus Indien.

 

Es geht weiter, jetzt in den Iran. Am Sonnabend, dem 1. April 1995 (leider kein Aprilscherz) begann der von den USA initiierte Wirtschaftsboykott gegen den Iran. Ich hatte mit einem dänischen Schwertransport-Lkw einen kupfernen Bierbraukessel aus Wuppertal nach Teheran gebracht und war dort an meinem Geburtstag, dem Freitag, dem 31, März 1995 eingetroffen. So ein Braukessel ist ein chemischer Kolben und die wollten damit kein Bier brauen, sondern irgendwas in einer Pharmazeutischen Fabrik machen, aber nun ja. Ich kam nicht mehr weg.
Gut, der Personenverkehr war nicht abgeschnitten. Ich hätte zum Flughafen fahren und wegfliegen können mit meinem deutschen Pass. Aber mein Lastzug, der einmal bummelig eine Million Mark gekostet hatte, hätte dableiben müssen. Mein Chef wollte, dass ich ihn wieder mitbrächte. Zudem war ich nicht der einzige, der im Iran gestrandet war. An einer Lösung wurde gearbeitet.

Nun hatte Dänemark damals noch niemandem den Krieg erklärt (Dänemark ist die einzige Nation, die 2002 dem Irak vor dem Einmarsch der us-amerikanischen Truppen den Krieg erklärte) und Deutschland war noch nirgendwo einmarschiert (sie marschierten mit gegen die Taliban in Afghanistan ein). Zudem hielt Deutschland noch an dem von Helmut Schmidt begründeten Motto fest, niemals Lösegeld zu zahlen, da man den Anfängen wehren müsste und es gälte, eine Entführungskultur zu etablieren. Als Deutscher konnte man sehr angenehm reisen, auch in einem Land mit Religionspolizei und diktatorischem Fanatismus.
Gut, ich liebe alle Frauen und das Flirten und habe alle Frauen schlicht als Unsichtbar behandeln müssen, was ich beschämend fand, aber nun einmal so vorgeschrieben war. Und doch habe ich den Iran als wunderschön, Teheran als fantastisch und die Leute als sehr gastfreundlich empfunden. Ich drängelte nicht und war 3 Monate da. Und ich hatte das Glück, auf viele zu treffen, die Deutsch sprachen, oder Französisch. Manche konnten sogar Englisch. Es war damals ein kulturell und auch interkulturell sehr interessiertes und entwickeltes Land.

Aber ich sprach kein Wort Farsi. Ich konnte auch keine Würmchenschrift lesen und Farsi im Schriftbild nicht von Arabisch unterscheiden. Es ist, als ob man schlagartig Kommunikationstaubstumm sei.
Ich frage mich… seit Millionen Syrien verlassen, oder sterben müssen, wie es denen wohl in Deutschland geht, die unsere Schrift nicht lesen und unsere Sprache nicht sprechen?
Wir müssten Deutschlehrer in jedes Flüchtlingsheim schicken. Diese Wohncontainer müssten ab Werk beschriftet sein, mit dem Wort „Lichtschalter“ auf jedem Lichtschalter und „Fensterbrett“ auf jedem Fensterbrett und so weiter. Die Sprache ist die Brücke zwischen den Leuten. Es ist genauso, wie die taubstummblinde us-amerikanische Schriftstellerin Helen Keller einmal schrieb: „Blindheit trennt von den Gegenständen, Gehörlosigkeit von den Menschen.“ Ohne die Möglichkeit der Verständigung sind wir voneinander so weit getrennt, wie Menschen nur voneinander getrennt sein können. Sie müssen die Sprache lernen.

Und gerade wir in Deutschland sollten bedenken: die Beine in die Hand zu nehmen und mit dem, was man am Leibe trägt, so weit zu laufen, wie die Füße tragen, wenn einem das Haus unter dem Hintern weggebombt wird, ist eine Erfahrung, die meine Eltern selbst noch gemacht haben. Es ist Teil der Geschichte. Egal, wie sehr wie den einzelnen, oder ganze Gruppen nicht mögen. Das alles und die alle sind wir vor 75 Jahren.

Aber es lässt sich immer noch steigern.

In Japan war ich aber sowas von ein Ausländer. In den amtlichen Formularen existiert kein Feld für „Augenfarbe“, nicht im Knast, nicht im Krankenhaus, nicht aus dem Passamt, nirgendwo. Alle Japaner haben dunkelbraune, bis schwarze Augen. Nur Fremde haben andere Augenfarben. Und in der Tat existieren in der japanischen Sprache zahlreiche Vokabeln für Ausländer, aber alle haben sie die Bedeutung von „Fremder“, oder „aus der Fremder“. Das wohl außerhalb Japans bekannteste Wort für den Ausländer ist der „Gaijin“. Innerhalb Japans ist es ein sehr schlimmes Schimpfwort. Es findet sich in der Liste der im öffentlichen Radio und Fernsehen verbotenen Wörter.
Und ich hatte noch den Vorteil, als westlicher Ausländer erkannt zu werden. Man mag allerdings die US-Amerikaner in Japan überhaupt nicht. Einmal abgesehen davon, dass alle US-Amerikaner in Japan seit einiger Vorkommnisse auf Okinawa als Vergewaltiger gelten, sind die US-Amerikaner die einzigen, die in der Geschichte der Menschheit bereits einen Atomkrieg durchzogen und das ausgerechnet in Japan. Das ist so tief negativ verwurzelt in japanischen Köpfen, wie die Shoah in jüdischen.

Sobald man in Japan als westlicher Ausländer erkannt und aus der Gruppe der US-Amerikaner aussortiert ist, ist nicht alles, aber vieles gut. Als Deutscher steigt man noch ein wenig auf, da man in Japan eine gewisse Sympathie für Deutschland hegt. Die beiden waren im Zweiten Weltkrieg nicht ohne Grund verbündete und sind aus der Asche eben jenen Krieges zu führenden Hochindustrienationen aufgestiegen. Es ist wohl diese präzise und fleißige Ingenieurskunst, die wir einander unterstellen, die es Deutschen in Japan leichter macht als allen anderen als Ausländer zu erkennenden Personen dort. Trotzdem ist auch das eine diskriminierende Schublade.

Und man weiß ja nicht, dass ich ein Deutscher bin, wenn man mich auf der Straße sieht. Mein Englisch ist noch dazu ein us-amerikanisches mit norwegischem Akzent. Und auch in Japan sprechen die Leute, wenn sie denn Fremdsprachen können, worin man in Japan ebenso grottenschlecht ist, wie in den US, Frankreich, Deutschland, etc., vor allem Englisch.

Ich wurde angerempelt, bespuckt, mit böser Post versehen, in Warteschlangen missachtet, ausgeschlossen, pi, pa, po, ganz genau so, wie wir es von Schwarzafrikanern in Dresden der Zeitung lesen,

Es lässt sich steigern.

Als ich in Solna, bei Stockholm wohnte, lief im Großraum Stockholm eine Mordserie. Es wurden Ausländer erschossen. Es wurden nur Ausländer erschossen, die eindeutig ausländisch aussahen. Es lief immer so ab. Man erschoss einen, dann war Ruhe. Wochen, bis Monate später, wurde wieder einer erschossen. ES war immer dieselbe Waffe, aus der geschossen wurde.

Später, als ich lange nicht mehr in Schweden wohnte, stellte es sich heraus, dass es sich um ein Aufnahmeritual einer schwedischen Neonaziorganisation handelte. Und natürlich hatte die Polizei auch anders ermittelt. Als in Deutschland die NSU-Sache klar wurde, musste ich an Stockholm denken. Die NSU-Aufklärungsfehler sind immer und überall.

Weil wir alle ohne Ausnahme immer so verdammt schnell und vollautomatisch den Lieferwagen im Wohngebiet alleine anhand seiner Nummer in Schubladen stecken, ohne auch nur den geringsten Gedanken daran zu verschwenden, was sich wohl tatsächlich in seinem Inneren befinden möge und die Absicht seiner Insassen sein könnten.

 

Autor: Stefan Janetzky / Deutschland

Foto: Stefan Janetzky

 
 
 
 

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